Der Preis der Freiheit. Die Lehre des 17. Juni

Freiheit war in der deutschen Geschichte nie selbstverständlich. Sie musste erkämpft, verteidigt und immer wieder neu behauptet werden.

Daran erinnert uns der 17. Juni 1953.

Was mit Protesten Ost-Berliner Bauarbeiter gegen erhöhte Arbeitsnormen begann, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einer landesweiten Erhebung gegen die SED-Diktatur. In Hunderten Städten und Gemeinden gingen Menschen auf die Straße. Sie forderten freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und politische Selbstbestimmung. Es waren keine Funktionäre, keine Eliten und keine Berufspolitiker. Es waren Bürger, Arbeiter, Familienväter und Mütter, die den Mut fanden, einem Unrechtsregime die Stirn zu bieten.

Die Antwort des Regimes offenbarte das wahre Wesen jeder Diktatur. Wo Argumente fehlen, tritt Gewalt an ihre Stelle. Sowjetische Panzer rollten durch die Straßen. Menschen wurden verhaftet, verfolgt und getötet. Der Aufstand wurde niedergeschlagen.

Doch die Sehnsucht nach Freiheit ließ sich nicht brechen.

Der 17. Juni war der erste große Volksaufstand gegen die kommunistische Herrschaft im sowjetischen Machtbereich. Er war ein Leuchtfeuer des Mutes inmitten der Diktatur und ein früher Vorbote dessen, was 1989 Wirklichkeit werden sollte: Einigkeit und Recht und Freiheit.

Gemeinsam mit der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Linda Teuteberg, haben wir in Berlin der Frauen und Männer gedacht, die damals für ihre Überzeugungen einstanden. Ihr Vermächtnis reicht weit über die deutsche Geschichte hinaus. Denn der 17. Juni erzählt nicht nur von einem gescheiterten Aufstand. Er erzählt von Menschen, die bereit waren, für ihre Freiheit persönliche Risiken einzugehen.

Gerade deshalb ist dieser Tag für uns Liberale mehr als ein historisches Datum. Er ist Mahnung und Auftrag zugleich.

Die DDR zeigte am 17. Juni ihr wahres Gesicht: nicht das eines angeblichen Arbeiter- und Bauernstaates, sondern das einer Diktatur, die Arbeiter mit Panzern niederwalzen ließ, weil sie Freiheit verlangten. Ein Staat, der seine Bürger überwachte, bevormundete und einschüchterte. Ein Staat, in dem Recht dem Machterhalt diente und Wahrheit der Propaganda untergeordnet wurde.

Deshalb darf die DDR nicht verklärt werden. Sie war kein romantisches Gegenmodell, sondern ein Unrechtsstaat. Wer die Geschichte ernst nimmt, muss den Mut haben, diese Wahrheit klar auszusprechen.

Die Lehre des 17. Juni geht jedoch über die deutsche Vergangenheit hinaus. Freiheitskämpfer gibt es auch heute: in der Ukraine, im Iran und überall dort, wo Menschen gegen Unterdrückung, Gewalt und Willkür aufstehen. Ihr Kampf erinnert uns daran, dass Freiheit niemals endgültig gewonnen ist. Sie muss immer wieder verteidigt werden.

Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte sind keine Naturgesetze. Sie leben von Menschen, die bereit sind, für sie einzustehen. Die Frauen und Männer des 17. Juni haben uns gezeigt, was das bedeutet.

Der Preis der Freiheit ist Wachsamkeit. Der Preis der Freiheit ist Mut. Und die Lehre des 17. Juni lautet: Freiheit darf niemals als selbstverständlich betrachtet werden.

Nicht irgendwann. Nicht nur in großen historischen Momenten.

Sondern jeden Tag. Und jeden Tag aufs Neue.